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Projektwerft Lindau

Damit viele Lindauer ihre Stadt gestalten

Mehr Lindauer sollen sich an der Gestaltung ihrer Stadt beteiligen. Dabei will die Verwaltung vor allem junge Menschen ansprechen. Nach Vorarlberger Vorbild denkt Pressesprecher Jürgen Widmer an eine sogenannte Projektwerft.

Die Projektwerft soll nicht das politische Tauziehen um die richtigen Lösungen ersetzen, deshalb wird sich auch nichts daran ändern, dass laut Gesetz der Stadtrat das letzte Wort hat. Aber das Format kann dazu führen, dass mehr Bürger an einem Strang ziehen, weil sie sich zuvor auf ein gemeinsames Ziel geeinigt haben.

 

Die Lindauer Projektwerft soll ein Klima des Vertrauens schaffen, ein Raum für Ideen sein. Dabei geht es nicht nur um städtische Themen. In Vorarlberg nutzen auch Vereine das Format, um ihre Probleme zu lösen. Und manche Privatperson hat sich dort ebenfalls schon Hilfe geholt. Wichtige Voraussetzung ist laut Widmer, dass die Teilnehmer eine Grundregel anerkennen: „Nicht alle Ideen werden umgesetzt.“ Denn manche Ideen schließen sich auch gegenseitig aus. Andererseits müssten Stadtrat und Verwaltung den echten Willen haben, vieles eben doch umzusetzen, denn die Projektwerft dürfe keine Alibiveranstaltung sein.

Voraussetzung für den Erfolg ist laut Widmer, dass sich alle Beteiligten auf Augenhöhe begegnen. Ausgebildete Moderatoren achten darauf, dass die Gespräche lösungsorientiert ablaufen. Konfrontationen wollen sie vermeiden.

 

Ablauf

Beim Treffen gibt es dann die Projektgeber, die ihre Ideen und Vorschläge in kleinen Runden vorstellen. Dabei müssen sie alles stark zusammenfassen, denn sie haben nicht mehr als zwei Minuten Zeit. Das zwingt zur Konzentration auf das Wesentliche und führt dazu, dass Selbstdarsteller fernbleiben.

 

In einer Runde sitzt der Projektgeber mit anderen Interessierten am Tisch, den sogenannten Begleitern. Sie bringen ihre Ideen zu dem Projekt ein und diskutieren das. Da es mehrere solcher Tische gleichzeitig gibt, wechseln die Begleiter nach einer gewissen Zeit an einen anderen Tisch. Dort sprechen sie über die Ideen aus der ersten Runde und ergänzen sie mit eigenen Vorschlägen. Nach einer gewissen Zeit kehrt dann wieder jeder an den ersten Tisch zurück. Jetzt geht es darum, konkrete Handlungsschritte zu besprechen. Denn viele gute Ideen leiden darunter, dass die Projektgeber nur träumen, aber nichts umsetzen.


Co-Working Space in/Für Lindau

Ich habe als Projektgeberin in die erste Projektwerft das Thema Co-Working Space in/für Lindau eingebracht. Meine zentrale Frage zu Beginn war:

 

Inwieweit kann die Umsetzung eines Co-Working Konzeptes Lindau attraktiver für kleine Unternehmen und Startups machen?

 

Was ist ein Co-Working Space?
  • Co-Working (englisch für zusammen arbeiten oder kollaborativ arbeiten) ist eine Entwicklung im Bereich neue Arbeitsformen.

  • Freiberufler, Kreative, kleinere Startups oder digitale Nomaden, aber auch etablierte Unternehmen arbeiten dabei zugleich in meist größeren, offenen Räumen und können auf diese Weise voneinander profitieren.

  • Sie können unabhängig voneinander agieren und in unterschiedlichen Firmen und Projekten aktiv sein, oder auch gemeinsam Projekte verwirklichen und Hilfe sowie neue Mitstreiter finden.

  • Es können unerwartete Synergien  entstehen, da viele unterschiedliche kreative Personen neben und vor allem miteinander arbeiten.

  • Ein Co-Working Space schafft Raum, in dem kreativ-innovative Unternehmen flexiblen Nutzungsmöglichkeiten erhalten. Dadurch kann ein  Ort der Inspiration entstehen und gibt Impulse für alle, die etwas bewegen wollen.

Ich habe für dieses Thema auf der einen Seite eine persönliche aber auch eine gesellschaftliche Motivation.

  • Bisher gibt es nur in Friedrichshafen, Ravensburg und Dornbirn bekanntere Co-Working Spaces. In Lindau gibt es nichts vergleichbares. Da ich mich ab dem nächstem Jahr nebenberuflich selbstständig machen und mich gerne mit Anderen austauschen will, muss ich entweder in die anderen Locations pendeln oder auf diese Art der sozialen Kontakte verzichten.
  • Zusätzlich ist es generell  schwierig in Lindau einen Veranstaltungsraum beispielsweise für Vorträge oder Seminare zu finden. Ich habe durch meinen Agile Stammtisch die Erfahrung gemacht, dass hier ein großer Bedarf vorhanden ist.
  • Das Co-Working Konzept könnte ebenfalls ein Baustein für meine Vision "Zukunftsorientierte und Offene Personen machen die Bodenseeregion (agil)er,"  da dadurch ein Raum als Basis dafür geschaffen wird.

  • Insbesondere der Raum Lindau könnte durch kleinere Unternehmen Innovativer werden. Autonomes Fahren beispielsweise ist nur ein kleiner Teil der Digitalen Transformationen. Es gibt jede Menge andere Use Cases, die von den bestehenden Firmen nicht abgedeckt werden kann.

 

Ein sogenannter Lotse führte mit sehr professioneller Moderation durch den Prozess mit folgenden Runden:

  • Runde 1 (gelb): Vorstellung der Frage/Idee und erste Rückmeldungen, was das Anliegen für einen Eindruck macht, erste Visionen, wie es weitergehen könnte, eröffnen von Perspektiven

  • Runde 2 mit neuen Entwickler*innen (rosa): sportlich, kritisches Hinterfragen, was fehlt, was wird zu wenig betrachtet, wo hakt’s? Sicht aus völlig anderen Blickwinkeln zulassen.

  • Runde 3 mit den Entwickler*innen von Runde 1 (grün): Zusammenführen der Ideen, Fokussierung auf den nächsten, wichtigen Schritt, um voran zu kommen.

Ergebnis

Ich persönlich bin sehr zufrieden mit dem Ergebnis von dem Abend, da ich so eine große Resonanz nicht erwaret hatte. Es hat sich wirklich eine sehr konstruktive Runde zusammengefunden, so dass am Ende greifbare nächste Schritte herausgekommen sind.

 

Wir werden gemeinsam ein Konzept erarbeiten, dass die notwendige Bedürfnisse erhebt, die Grenzen definiert, aber auch den Bedarf und die Finanzierung betrachtet. Wir werden evaluieren, wer als Auftraggeber oder Investor in Frage kommt oder welche Finanzierungsformen für uns sinnvoll sind.

 

Ich freue mich schon auf die Zusammenarbeit für das Erarbeiten des Konzeptes und ich bin zuversichtlich, dass gestern das Thema zur Diskussion zu stellen nur der erste Schritt war. Wer sich ebenfalls einbringen will, darf sich gerne bei mir melden.

 

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