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Delegation Poker

Hintergrundinformation

Ein wesentlicher Bestandteil der agiler Führung ist der konsequente Einbezug des Teams in Entscheidungsprozesse und die Ermächtigung des Teams zu selbstorganisiertem Arbeiten. Eines der wichtigsten Führungsinstrumente ist an dieser Stelle die Delegation.

Delegation Poker wurde Ende 2010 erstmalig auf einer Agile Konferenz gespielt und seitdem unter anderem von Jurgen Appelo, Autor des Buches "Management 3.0" und Vorderdenker innovativer Arbeitsweisen, weiterentwickelt.

Überblick

Es ist ein Kartenspiel, das zwischen Vorgesetzten und Mitarbeiter in unter zwei Stunden einen offenen, wertschätzenden, umsetzungsorientierten Gedankenaustausch über Führungsstile und Mitarbeiterkompetenzen und dadurch zu einer einvernehmlichen Entscheidung führt.

  • Ziel: Hierarchieübergreifend die Bereitschaft zu heiklen Dialogen fördern, insbesondere über Vertrauen in Kompetenz und Führung. Es bietet die Möglichkeit die Delegation von Aufgaben, Entscheidungen sowie Verantwortung auf Augenhöhe zu diskutieren und somit auch die Transparenz bei der Entscheidungsfindung zu bieten.
  • Anzahl Spieler: Empfohlen wird eine Gruppengröße von 3 - 7 Personen
  • Zeit & Dauer: Für 2 Stunden alle 4-8 Wochen
  • Zielgruppe: Führungsteam, Teamleitung und Mitarbeiter auf allen Ebenen

Vorbereitung

Jeder Spieler erhält vor dem Spiel einen Satz mit Karten, die von 1-7 durchnummeriert sind. Jede Nummer bedeutet eine unterschiedliche Ebene der Delegation.

  • 1 = Verkünden: Die Führungskraft teilt dem Team lediglich die Entscheidung mit.
  • 2 = Verkaufen: Die Führungskraft entscheidet, versucht aber das Team von der Richtigkeit der Entscheidung zu überzeugen.
  • 3 = Befragen: Die Führungskraft holt sich vor ihrer Entscheidung Rat.
  • 4 = Einigen: Das Team und die Führungskraft versuchen gemeinsam einen Konsens zu finden.
  • 5 = Beraten: Die Führungskraft berät das Team, das Team entscheidet.
  • 6 = Erkundigen: Team entscheidet selber, die Führungskraft fragt nur noch nach dem Ergebnis
  • 7 = Delegieren: Team entscheidet komplett autonom.

Das Team überlegt sich vor Beginn des Spiels teamrelevante Szenarien bzw. anfallende Aufgaben, in denen Entscheidungen getroffen werden müssen, wie beispielsweise die Einstellung neuer Teammitgliederglieder oder anderer Themen. Alle zu besprechenden Themen sind in einer Liste für jeden sichtbar eingetragen.

 

Tipp:

Meine Empfehlung ist es, eine Liste als Delegation Board nicht nur kurz vor Beginn des Spiels in den Fokus zu setzen, sondern durch Bereitstellung der Information an einem zentralen Ort Transparenz zu schaffen und dem Team die Möglichkeit zugeben, jederzeit einen Eintrag zu machen. So kann auch spontan ein Delegation Poker einberufen werden, wenn die Liste zu voll geworden ist bzw. ein akuter Handlungsbedarf auf Basis der bereits bestehenden Vereinbarungen vorhanden ist.

Spieldurchführung

Ziel ist es, gemeinsam Zeile für Zeile die in der Spielvorbereitung erstellte Liste durch zu gehen, indem bei jeder Aufgabe  das Team und der Vorgesetzte verdeckt eine Karte von 1-7 legen. Die Zahl drückt dabei die persönliche Auffassung darüber aus,  ob diese Aufgabe eher vom Vorgesetzten einseitig angewiesen werden sollte (1) bis hin, ob ohne Rücksprache in Mitarbeiterhand liegt (7).

  1. Es wird die erste Aufgabe der Liste betrachtet.
  2. Jeder Spieler überlegt sich nun im Stillen, welches Delegationslevel er bei dieser Entscheidung wählen würde.
  3. Wenn sich alle Spieler entschieden haben, werden die Karten gleichzeitig aufgedeckt.
  4. Die Spieler mit den jeweils höchsten und niedrigsten Werten begründen nun im Dialog ihre Entscheidung. Alle anderen hören schweigend zu.
  5. Nun wird in einer festgelegten Zeit gemeinsam diskutiert mit dem Ziel zu einem Konsens zu kommen.
  6. Anschließend wird nochmals gepokert und dies solange bis ein einstimmiges Ergebnis erzielt wird (analog zum Planning-Poker in Scrum). Es können auch  die Regeln angepasst werden, beispielsweise den höchsten oder niedrigsten Wert zu missachten, wenn es nur von einem Teammitglied gelegt wurde.
  7. Dies erfolgt für jede Aufgabe auf der Liste bzw. bis die Zeit um ist.

Die Ergebnisse sollten für die Transparenz schriftlich fixiert werden, beispielsweise auf einem Delegation Board mit tabellarische Übersicht, welches Thema mit welchem Mitarbeiter/Teamleiter mit welcher Delegationsstufe vereinbart wurde.

Entscheidend bei diesem Spiel ist nicht das perfekte Ergebnis, sondern vor allem die Tatsache, dass ein Dialog in Gang gesetzt wird mit dem Ziel einen wertschätzenden Austausch, bei dem alle miteinander lernen und gemeinsam Übereinkünfte treffen können, zu schaffen. Eine gute Basis für die Selbstorganisation.

Weiterführende Informationen

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