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Challenge Map: Tiefere Herausforderungen besprechbar machen

In seinem Buch "Social Energy - Für die Gestalter der neuen Arbeitswelt"  zeigt Ulf Brandes sehr anschaulich wie durch Reflexion der inneren Einstellung die Werte entstehen können, um vom Ich zum Wir zu kommen. Durch Social Energy (als Lebensgefühl) ist eine kraftvolle Veränderung und ein echtes Miteinander möglich.

Bereits im ersten Abschnitt macht er klar, dass es keine Ausreden mehr geben sollte, denn „Ob eine Unternehmenskultur resilient und veränderungsfähig ist, ist keine Frage der Umstände, es ist eine Entscheidung.“

 

Ich möchte in diesem Artikel die Challenge Map aus diesem Buch vorstellen. Ich habe die in einem Team bereits angewendet und das Ergebnis war vielversprechend. Die Vorgehensweise selber kam auch beim Team sehr gut an. Die Challenge Map könnte auch bei schwierigen Themen in einer Retrospektive als Alternative geeignet sein.

 

Challenge Map Hintergrundinformationen

Jeder Veränderungsimpuls stellt uns vor eine ganze Reihe von Fragen, und oft zieht es uns zu bestimmten Antworten, bevor uns die grundlegende, die entscheidende Frage überhaupt bewusst ist [...].

Welcher tieferliegenden Wünsche und Hindernisse könnten hinter unseren Veränderungszielen stehen? [...] Geht es in Wirklichkeit, auf der Ebene der Ursache solcher Veränderungswünsche, nicht eher um einen Mangel an gegenseitigem Austausch oder an Mut zu heiklen Dialogen.

 

Offener Dialog, Respekt und gegenseitiges Zuhören kann helfen, Veränderungsziele leichter zu erreichen. Ein wichtiger Schritt zu Beginn jedes gemeinsamen Veränderungsvorhabens ist es daher, in Austausch zu treten und gmeinsam eine Übersicht zu gewinnen, welche Veränderung den Beteiligten vorschwebt. Denn hier gehen bei aller Einigkeit, dass sich etwas ändern muss, die Vorstellungen naturgemäß auseinander.

  • Was wollen wir erreichen?
  • Zu welchem Zweck?
  • Und was ist dafür zu tun?

Oder, mehr auf der emotionalen Ebene:

  • Wie steht es um unsere Beziehungsqualität?

Eine gemeinsame Erkundung des Veränderungsvorhabens uns seiner Rahmenbedingugen hilft uns, gemeinsam genauer hinzusehen - statt dem erstbesten Impuls zu folgen und Veränderungen dort zu forcieren, wo sie uns am meisten zu stören scheint

 

Die Challenge Map ist ein bewährtes, einfaches Diskussionsformat, um zum Einstieg in eine geplantes Veränderungsvorhanden wesentliche Fragen auf der Sachebene schnell und sehr leicht in Gruppen so weit zu erkunden, wie es im Moment angemessen erscheint. So entsteht ein Gesamtbild der grundlegenden Motive und Voraussetzungen für das geplante Vorhaben. Diese gemeinsame Kartierung der Situation und ihrer wahrgenommenen Zusammenhänge und vor allem der wertschätzende gegenseitige Austausch schaffen eine belastbare Grundlage für die gemeinsame Entwicklungsarbeit.

 

Die Challenge Map ist somit ein kurzweiliges Besprechungsformat, um in die Tiefe zu kommen.

Durchführung

Übersicht

Teilnehmeranzahl: 3-6 Personen je Kleingruppe


Dauer: mind. 45 Minuten

 

Material:

  • 1 freie Wand oder Moderationswand pro Kleingruppe
  • 1 Stift pro Teilnehmer
  • 10 postkartengroße Klebezettel oder Moderationskarten

Ablauf

1. Ausgangsfrage definieren

Als Vorbereitung sollte bereits die Ausgangsfrage feststehen, wie beispielsweise "Wie können wir innovativer werden?". Ich habe beispielsweise das Team durch die Frage "Wie können wir cross-funktionaler zusammenarbeiten" als Abschluss eines einwöchigen Team Workshops herausgefordert.

Als nächstes wird ein Flipchart horizontal in zwei Hälften aufgeteilt und die Ausgangsfrage als zentrales Element in die Mitte groß dargestellt. Am linken Rand wird in der oberen Hälfte mit WOFÜR (mit Pfeil nach oben) und die untere Hälfte mit WODURCH (mit Pfeil nach unten) beschriftet.

 

2. Einführung in das Prinzip und Regeln (15 min)

Das Grundprinzip ist nun, die Ausgangsfrage in zwei Richtungen weiterzufragen:

  • Wofür ist das gut? (Wunsch)
  • Was braucht es dafür? (Hindernis)

Zusätzlich gilt die eiserne Regel bei der Challenge Map und damit ihr Erfolgsrezept: Jede Ansicht, jeder Beitrag eines Teilnehmers, egal ob Wunsch oder Hindernis wird in Form einer sogenannten "Wie können wir" Frage, also kurz WKW, als offene Frage formuliert. Offene Fragen haben die Eigenschaft, dass sie im Gegensatz zu Entscheidungsfrage keine Antwortalternative vorgibt. Zudem bieten die WKW Frage ein großes Potential noch unentdeckte Perspektiven und Möglichkeiten hervorzuholen, da eine andere Herangehensweise und dadurch mehr Inspiration vorhanden ist.

 

Tipp: Am Anfang ist die Form der Fragestellung etwas gewöhnungsbedürftig. Wenn man seiner Kreativität freien lauf lässt, kommt man aber wirklich schnell in diesen Modus. Ich empfehle einfach ein Beispiel vorzugeben, so dass die anderen sich daran orientieren können. Es ist immer nur die erste Frage die Hürde.

 

Die Challenge Map macht intensiv Gebrauch von WKW-Fragen um eine komplexe Herausforderung oder ein Vorhaben gemeinsam zu erörtern. Sie macht auf diese Weise individuelle Annahmen, Anliegen und Sichtweisen besprechbar und erleichtert damit erheblich, ein neues, gemeinsames Bilder der zugehörigen Beweggründe und Aufgaben zu entwickeln und auch kontroverse Blickwinkel und Wünsche jedes Einzelnen zu integrieren.

3. Einzelarbeit (5 min)

Jeder Teilnehmer hat nun 5 Minuten Zeit im Stillen die wichtigsten Punkte hinsichtlich der Ausgangsfrage auf mit den oben genannten zwei unterschiedlichen Blickwinkel in Form der WKW Frage.

Nach Ablauf der Zeit werden die beschriebenen Karten gegenseitig vorgestellt und an die entsprechenden Stelle auf dem Flipchart zugeordnet und ggf. zusammengefasst oder Zusammenhänge dargestellt.

 

4. Gruppenarbeit  (5-10 min)

Anschließend hat jede Kleingruppe Zeit seine eigenen Ideen zu reflektieren und bei Bedarf zu ergänzen, aber auch die am Ende die bisherigen Ergebnisse zusammenzufassen

 

5. Vorstellung im Plenum (mind. 10 min je Kleingruppe)

Die Ergebnisse werden von den einzelnen Kleingruppen den anderen Gruppen vorgestellt und relevante Themen geclustert. Am Ende sollten sich alle gemeinsam darüber austauschen, was die Ergebnisse für sie bedeuten und wie es weitergehen könnte.

 

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