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Barcamp


Jeder der zuvor noch nicht an einem Barcamp war, fragt mich immer "Hat das was mit Betrinken zu tun?"

Dann muss ich denjenigen immer enttäuschen. Es gibt auch Getränke und es darf an der Abendveranstaltung auch Alkohol getrunken werden, im Vordergrund steht allerdings der Wissensaustausch. Die Geselligkeit kommt trotzdem nicht zu kurz.

 

Ich bin regelmäßig auf solchen Barcamps zu finden, wie beispielsweise das für Product Owner oder erst kürzlich am DevCamp.create. Das erste Mal werde ich diesen Sommer am Bodensee Barcamp teilnehmen. Für mich persönlich sind diese Barcamps eine kleine Auszeit vom Alltag, bei dem ich immer wieder nette Leute kennenlerne und auch jede Menge Informationen mitnehmen kann. Da immer auch andere Sichtweisen und Wissensstände zu den Themen gibt, ist es meistens doppelt wertvoll für mich.

 

Wie ihr euch ein Barcamp nun vorstellen könnt, habe ich euch nachfolgend zusammen gefasst.

 

Definition

Ein Barcamp ist ein partizipatives und offenes Veranstaltungsformat mit Workshop-Charakter für eine bestimmte Interessengruppe. Dies wird auch Unkonferenz bezeichnet, da auf alle traditionelle Organisationsformen wie beispielsweise Agenda verzichtet wird.

 

Inhalt und Ablauf werden gemeinsam von allen Teilnehmern zu Beginn der Veranstaltung selbst gestaltet. Je nach Interesse der Teilnehmer im Laufe der Veranstaltung angepasst. In Selbstorganisation werden die angebotenen Session selber vorgestellt, moderiert und gestaltet. Es ist jedes Format wie beispielsweise Fishbowl  dazu erlaubt. Die Inhalte sind meinst sehr praxisorientiert und geben wichtige und konkrete Impulse und Hilfen für den Arbeitsalltag. Barcamps dienen dem inhaltlichen Austausch und der Diskussion, können teilweise aber auch bereits am Ende der Veranstaltung konkrete Ergebnisse vorweisen, so dass auch gemeinsam neue Ideen und Projekte und Lösungen entstehen.

   

Barcamps finden in der Regel mit dem Open Space Format von Harrison Owen als Rahmen mit folgenden Prinzipien statt: 

  • Jeder ist willkommen, das Event ist für alle Interessierten offen
  • Alle Teilnehmer sind gleichberechtigte Individuen in einer offenen Gemeinschaft
  • Führung ist nicht gegeben, sondern kann von überall aus entstehen
  • Es gibt keine Zuschauer, jeder ist aktiver Teilnehmer, kann aber gemäß Gesetzt der zwei Füße jederzeit gehen.

Charakteristisch für ein Barcamp ist der bedingungslose Einsatz des Internets und von Social Media zur Planung, Durchführung und Nachbereitung der Veranstaltung sowie die fehlende inhaltliche Ausgestaltung des Programms. Die Teilnahme ist für gewöhnlich kostenfrei, wenn genügend Sponsoren vorhanden sind. Werbung in eigener Sache während der Sessions ist untersagt

Historie

Der Name Barcamp ist eine Anspielung auf das Veranstaltungsformat „foocamps“ von Verleger Tim O’Reilly („foo“ = friends of O’Reilly). Diese jährlich stattfindende Veranstaltung für Softwareentwickler diente dem Austausch zu aktuellen Themen der Softwareentwicklung und war die erste Veranstaltungsreihe, bei der Ablauf und Inhalt zu Beginn von den Teilnehmern entwickelt wurde. Um an den foocamps teilzunehmen, benötigt jeder Teilnehmer eine persönliche Einladung von Tim O'Reilly. 

 

Um dieses innovative Veranstaltungsformat weiter zu verbreiten, entwickelten bisherige Teilnehmer der „foocamps“ das Konzept des Barcamps. Der wesentliche Unterschied: jeder kann ohne persönliche Einladung teilnehmen. Die einzige Limitierung der Teilnahme besteht in den vorhandenen Kapazitäten der Räumlichkeiten, weshalb eine Anmeldung vorab meist erforderlich ist. Typische Themen von Barcamps sind das Internet, Web und Social Media.


Quelle: https://wiki.induux.de/Barcamp 

Ablauf

Die Eröffnung eines Barcamps erfolgt durch eine Begrüßung, gefolgt durch den Dank an die Sponsoren und durch eine Information über den weiteren Verlauf. Im Anschluss werden die Themen vorgestellt. In der Regel werden die Themen erst von den Teilnehmern im Plenum vorgestellt werden und durch Handzeichen signalisieren die anderen Teilnehmer Interesse an diesem Thema. Anschließend wird das Thema dann von räumlich und zeitlich an einem großen Board für jeden ersichtlich eingeteilt. Alternativ können auch vorab Themenvorschläge online eingereicht werden, über die im Vorfeld abgestimmt werden kann. Danach beginnt die Arbeit in den Arbeitsgruppen. Ob derjenige, der das Thema ins Leben gerufen hat, einen Vortrag hält, einen Workshop initiiert oder etwas gänzlich anderes wählt, um einen Konsens zur Problemstellung zu erlangen, ist freigestellt. Aus diesem Grund wird die Gruppenarbeit auch Session genannt. Die Teilnehmer der jeweiligen Session können diese jederzeit verlassen und sich an einer anderen Session beteiligen.

 

Den Abschluss eines Barcamps bildet meist ein Get-together oder eine Feedbackrunde. Eine nachgelagerte Präsentation oder Auswertung der Ergebnisse ist nicht vorgesehen.

Die Veranstalter vertrauen darauf, dass auf Grund der Nähe der Teilnehmer zu Social Media nutzerrelevanter Inhalt von selbst im Internet publiziert und verbreitet wird (per Blog, Twitter, etc.). Es bietet sich in jedem Fall an, dass Veranstalter einen Hashtag (#) kreieren und den Teilnehmern mitteilen. Diese Form des Nachhaltens und Verbreitens von Informationen ist ein wesentlicher Unterschied zum Open Space.

Voraussetzungen

Ein Barcamp benötigt mindestens 12 bis max. 700 Teilnehmer und einen halben bis zwei Tage Zeit. Dazu die entsprechenden Räumlichkeiten, eine perfekte Organisation vor allem im Hinblick auf die technische Einrichtung und Umsetzung sowie ein einwandfrei und schnell funktionierendes WLAN, damit die Inhalte bereits während der Veranstaltung online geteilt werden können. Die Finanzierungskosten übernehmen Sponsoren, die Werbemittel und Promotion-Equipment während der Veranstaltung platzieren und auch am Barcamp teilnehmen dürfen. Während der Sessions und der Vorstellungsrunde darf allerdings keine Eigenwerbung erfolgen. Mittlerweile gibt es auch kostenplichtige Barcamps.

Nutzen

Beim Barcamp, ähnlich wie beim Open Space, gehen Menschen nicht zu einer Konferenz, sondern sie sind die Konferenz. Daher durch Interaktivität die  Nachhaltigkeit und die Kreativität der erarbeiteten Lösungen viel höher als bei einem klassischen Veranstaltungsformat. Die starke Verbindung mit den sozialen Medien ermöglicht zudem eine Verlängerung der Veranstaltungswirkung, da auch Nichtteilnehmende an den Inhalten partizipieren können.

 

Firmeninternes Barcamp / Open Friday

Bei sipgate wird beispielweise das Wissen ebenfalls als Open Space mit dem sogenannten Open Friday.

 

Jeden zweiten Freitag können alle Mitarbeiter das tun, was sie für das Unternehmen am wertvollsten halten. Darüber hinaus organisieren wir an diesen Tagen einen offenen Raum - eine Ad-hoc-Konferenz -, um den Tag optimal zu nutzen: Sie verteilen Wissen, lösen Probleme, sammeln Ideen.

 

Mit Open Friday organisieren wir gegenseitige Hilfe zwischen Teams und Abteilungen. Wir haben kaum mehr "normale" Meetings. Die meisten Dinge werden in Open-Friday-Sitzungen behandelt, da sie so einfach zu organisieren sind und an diesem Tag Zeit haben. Es ist nicht viel Aufwand, um herauszufinden, wer an einem Meeting interessiert ist. Wer ist da, ist da. Die Anwesenheit ist zu 100% freiwillig.Open Fridays sind daher viel engagierter und energischer als Treffen mit unwilligen Begleitpersonen.

 

Open Friday ist unsere bevorzugte Art, Wissen zu teilen und Neues auszuprobieren. Wir haben alle eine überdurchschnittliche Initiative, weil Open Friday uns erlaubt, Dinge zu ändern, die wir dumm finden. Wir können klären, ob andere das Problem teilen, Hilfe suchen und Entscheidungen treffen. Da sich alle an Open Friday beteiligen, fließen die Informationen frei zwischen den Abteilungen und schaffen Empathie. Wenn wir ein Problem haben, ist die Lösung in der Regel nach dem Open Friday vorhanden.

 

Mehr Informationen: https://www.openfriday.org/

 


Neugierig geworden? Es gibt hier eine Liste aller Barcamps im deutschsprachigen Raum. Vielleicht trifft man sich mal persönlich?

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