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13. Agile Stammtisch Lindau

Vor einem Jahr fand der erste Agile Stammtisch in Lindau statt und hat sich mittlerweile echt gut etabliert. Danke von meiner Seite an alle Teilnehmer, dass ihr bisher jeden Stammtisch einzigartig gemacht habt.

 

An diesem Stammtisch war diesmal einzigartig, dass alle Teilnehmer mir schon bekannt waren. Durch die kleine Runde wurden sogar insgesamt 5 Themen diskutiert. Diesmal waren wieder klassische Scrum Themen dabei, aber auch beispielsweise zwei neue Themen, die wieder eine ganz andere Sichtweise auf die Agilität bzw. New Work öffnen kann.

CHECK iN

Erzähl Deine Geschichte anhand zwei Passenden Postkarten

Ich sammle regelmäßig Postkarten mit Sprüchen, um dies auch zum Kennenlernen zu verwenden. Diesmal war es die Aufgabe zwei passende Postkarten zu finden, um auf Basis dieser Auswahl eine Geschichte über sich zu erzählen. Es ist immer wieder spannend, was jeder so voneinander neues erfahren kann.

Agile Game: Moving Motivator

Das Spiel Moving Motivator bietet sich als Teamspiel an, um herauszufinden, was jeden Einzelnen motiviert und welche gemeinsame Motivatoren ein Team haben kann. Insbesondere wenn eine Veränderung geplant ist, kann die Einflussfaktoren für die Team Motivation untersucht werden. Es ist dabei nicht angedacht in irgendeiner Art und Weise eine Bewertung durchzuführen, sondern eher Transparenz und in weiterer Folge ein Verständnis füreinander zu entwickeln. Jeder lernt auch wieder etwas über sich selber kennen.

 

Anwendungsgebiete

Es kann sowohl auf Teamebene als auch zum Selbstcoaching verwendet werden. Wer besonders mutig ist, kann es aber auch in Rahmen vom Bewerbungsprozess verwenden, um die Werte und Motivation des Bewerbers zu untersuchen.

 

Eine ausführliche Beschreibung ist hier zu finden.

 

Während dem Stammtisch hatte jeder die Möglichkeit seine Motivationsreihe zu bilden. Anschließend haben wir uns über Übereinstimmung in der Gruppe ausgetauscht und diskutiert, wie eine Anwendung in der Praxis aussehen kann.

 

 

Lean Coffee

Effectuation

Daniel gab einen kurzen Einblick zum Thema Effectuation vor, dass er beim Bodensee Submit in St. Gallen kennengelernt hatte.

 

Der Effectuation-Ansatz beschreibt eine von (erfahrenen) Entrepreneuren eingesetzte Vorgehensweise zur Lösung von Problemen und zur Entscheidungsfindung und basiert auf den vier Prinzipien. Die vier Prinzipien lassen sich am besten im Kontrast zu den Prinzipien kausaler Logik (wie sie zum Beispiel im Management angewandt werden) erklären:

 

1) Mittelorientierung statt Zielorientierung

  • Kausale Logik bedeutet, Ziele festzulegen und dann Mittel und Wege finden, um die Ziele bestmöglich zu erreichen.
  • Effectuation beginnt hingegen bei den vorhandenen Mitteln: Wer ich bin, was ich weiß und wen ich kenne. Die Mittel bestimmen, was machbar ist.

2) Leistbarer Verlust statt erwarteter Ertrag

  • Kausale Logik orientiert sich am erwarteten Ertrag. Man wählt Ziele aus, die den besten Ertrag versprechen.
  • Effectuation orientiert sich am leistbaren Einsatz oder Verlust. Da sich in einer ungewissen Zukunft keine Erträge vorhersagen lassen, sollte man nur das aufs Spiel setzen, was man zu verlieren bereit ist.

 

3) Umstände und Zufälle nutzen statt vermeiden

  • Nach kausaler Logik gilt es, den Zufall auszuschließen, Überraschungen gefährden die Zielerreichung.
  • Effectuation sieht den Zufall als Partner an: Es gilt, Überraschungen in Chancen zu verwandeln und Nutzen aus dem Ungeplanten zu ziehen.

 

4) Partnerschaften statt Konkurrenz

  • Kausale Logik unterscheidet zwischen „den richtigen Partnern“ und grenzt sich gegen potenzielle Konkurrenz ab.
  • Effectuation bedeutet, Partnerschaften mit denen einzugehen, die sich selbst selektieren und früh an einem noch unsicheren Vorhaben beteiligen.

Zusammenfassung

Auch hier steckt eine Haltung mit einem Framework und kein festeingefahrendes System dahinter.

  • Kausale Logik geht davon aus, dass wir nur das steuernd beeinflussen können, was wir vorhersagen (also planen) können.
  • Effectuation fokussiert auf all das, was wir durch unser Handeln gestalten können, wenn die Basis für Vorhersage und Planung fehlt: Alles, was ich steuernd gestalten kann, brauche ich nicht vorherzusagen. Gestaltbar ist all das, was auf vorhandenen Mitteln basiert und einen leistbaren Verlust aufweist. Gestaltbar ist auch, was durch Zufälle und geänderte Umstände möglich wird und was sich durch Vereinbarungen mit PartnerInnen ergibt.

Das Thema wurde mit großem Interesse in der Runde  diskutiert. Gerade in unserem komplexen und manchmal chaotischen Umfeld könnte es der fehlende Baustein sein, um in ungewissen Situationen eine Entscheidung ohne fundierte Datenbasis zu kommen. Ein guter Navigator in unsicheren Zeiten.


SAFE Management

Ein Teilnehmer berichtet, dass sein Unternehmen von Scrum of Scrum auf SAFe (Scaled agile Framework) umgestellt hat und hoffte auf einen Erfahrungsaustausch. In der Fragerunde stellte es sich heraus, das mit der Umstellung auf SAFe das Kommunikationsproblem das in Scrum of Scrums aufgetreten war, gar nicht gelöst hat. Zudem der Zweck nicht klar war und die Rollen im Framework sind noch nicht richtig besetzt. Auswirkung ist beispielsweise, dass der Release Train immer fährt, obwohl noch nicht alle Komponenten fertig sind.

 

Key Take Aways der Teilnehmer

  • Evaluierung von SAFe wäre wichtig gewesen. Die Rolle des Release Train Engineer muss besetzt sein.
  • Auch für Prozesse braucht es Requirements Engineering.
  • SAFe ist Cargo-Kult (=Nachahmen von Verhalten, ohne den dahinter liegenden Sinn zu verstehen).
  • SAFe scheint doch nicht so safe zu sein.
  • Der Release Train ist hoffentlich kein Schienenersatzverkehr.
  • Less is More.
  • Skaliere dein Produkt und nicht dein Prozess.

Transparenz im Team

Es ging nahtlos in derselben Umgebung mit dem nächsten Thema weiter. An einem Produkt arbeiten in dem Unternehmen ein Team nach Scrum und das andere nach dem traditionellen Projektmanagement. Dadurch kommt es zu Konflikten und vor allem fehlt die Transparenz. Konkrete Fragen waren, wie man die beiden Teams besser synchronisieren kann - auch hinsichtlich Anforderungsänderungen.

 

Folgende Lösungsvorschläge wurden genannt:

  • Releasezyklen an Meilensteinplan anpassen.
  • Gemeinsames Review und Retrospektive durchführen, ggf. mit ausgewählten Personen starten und es wachsen lassen.
  • Low-Hanging Fruits suchen und umsetzen.

Purpose Unterhmen - Steward Ownership

Mark brachte das Thema ein, da er die Werte von dem soziales Projekt Breaking Boarders in die Unternehmens DNA verankern und das Eigentum vom Unternehmen trennen will, so dass die Mission immer gleich bleiben kann.

Sein Ziel von der Session war, das Idee hinter Steward Ownership als Impuls weiterzugeben. Das Thema wurde als sehr spannend, aber auch noch mit ein paar Fragezeichen von den Teilnehmer wahrgenommen.

 

 

Der Begriff Steward-Ownership wird von der deutschen Organisation Purpose Network geprägt, die dieses Modell erforscht, weiterentwickelt und Organisationen dabei hilft, sich darin zu verwandeln. Das Netzwerk setzt sich für einen Paradigmenwechsel in der Wirtschaft ein, mit dem Ziel, diesen von der Gewinnmaximierung in die Zweckmaximierung umzuwandeln.

 

Was macht ein Purpose Unternehmen aus?

Purpose-Unternehmen sind für ihre Kunden und Mitarbeiter da. Gewinne werden größtenteils reinvestiert und dienen dem Sinn des Unternehmens. Die Verantwortung liegt immer bei den Menschen im Unternehmen. Purpose Unternehmen arbeiten nicht für den Gewinn von Investoren, sondern den Sinn des Unternehmens.

 

Basierend auf den von Purpose Network durchgeführten Untersuchungen gelten die folgenden beiden Grundprinzipien für alle Unternehmen, die sich im Besitz von Stewards befinden. Purpose-Unternehmen verpflichten sich den Grundsätzen von Verantwortungseigentum:

  • Grundsatz I: Gewinn = Mittel zum Zweck, kein Selbstzweck

Heute beobachten wir oft, dass Gewinnmaximierung die Mission und den eigentlichen Zweck des Unternehmens ersetzt.
Purpose-Ansatz: Sinn und Zweck des Unternehmens stehen an erster Stelle. Gewinne werden reinvestiert. Purpose Unternehmen können nicht als Spekulationsgut behandelt und meistbietend verkauft werden.

  • Grundsatz II: Unternehmerschaft = Eigentümerschaft

Heute werden Entscheidungen häufig von fernen Investoren oder Menschen getroffen, die nicht aktiv im Unternehmen Verantwortung übernehmen. So entsteht strukturelle Verantwortungslosigkeit. 

Purpose-Ansatz: Entscheidungen werden im Unternehmen getroffen und ausgeführt. Dadurch bleibt die Verantwortung im Unternehmen.

 

Die gemeinnützige Purpose-Stiftung stellt zusammen mit den Unternehmen sicher, dass die Grundsätze nicht veränderbar sind und so zu einem verbindlichen Versprechen an Kunden und Mitarbeiter werden. Ein Versprechen, das dieses Unternehmen für Sinnmaximierung und nicht Profitmaximierung steht.

 

Beispiele und mehr Hintergrundinformationen:


Fehlerkultur verbessern

In diesem Fall wurde ein neues Team gegründet, dass standortverteilt in Deutschland und Spanien arbeiten wird. Die konkrete Frage war, welche Ursachen es für den falschen Umgang mit Fehlern gibt und wie man die Fehlerkultur verbessern kann.

 

Folgende Lösungsvorschläge wurden genannt:

  • Fehler zugeben ist Kulturabhängig.
  • Vertrauen im Team aufbauen.
  • Vorbild sein.
  • Positive Erfahrungen beim Umgang mit Fehlern sammeln (analog zu FuckupNights).
  • Einen Verbündeten "auf der anderen Seite" suchen.
  • Überlegen, was man selber beeinflussen kann.
  • Bug-First Principle, anstelle auf persönlicher Ebene im Team die Fehler suchen.
  • Code Coverage sichtbar machen (Gamification verwenden).

Feedback

Durch die Einführung des Sitzkreises, ist die Lautstärke kein Störfaktor mehr, so dass das Feedback durchgehend positiv war:

  • Wunderschöner Abend mit interessanten Themen und netten Leuten.
  • Ein Dankeschön gab es wieder für die Organisation und der Möglichkeit die Moving Motivator Karten mitnehmen zu können.
  • Schöner Impuls zum Thema Effectuation.
  • Wertvolle Diskussion. Interessante Einblick in diese Themen als eher Fachfremde.

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